Weissach im Tal


Eckdaten der Stadt und Kontakt

Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Region: Mittlerer Neckar
Landkreis: Rems-Murr

Einwohner: 7.150
Fläche: 14,1 km²

Adresse der Gemeindeverwaltung:
Bürgermeisteramt Weissach im Tal
Kirchberg 2-4
71554 Weissach im Tal
Telefon: 07191/3531-0
Email: bma@weissach-im-tal.de
Website: www.weissach-im-tal.de


Ansprechpartner Agenda 21:
Rudolf SCHARER, Agenda-Büro
Email: rudolf.scharer@weissach-im-tal.de


Lokale Agenda 21 in Weissach im Tal

In Weissach im Tal war Bürgermeister Rainer Deuschle die treibende Kraft für den Einstieg in die Lokale Agenda. Nach dem Gemeinderatsbeschluss im Jänner 1998 folgte eine Informationsveranstaltung zum Thema „Lokale Agenda 21“, an der sich der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sowie der Gemeindetag Baden-Württemberg beteiligten.
Mit einem Informationsschreiben samt Fragebogen zu den gewünschten Schwerpunkten und der Veröffentlichung eines Aufrufs im Mitteilungsblatt wurden zunächst die Vereine, Schulen, Parteien, Kirchen und Institutionen, sowie anschließend alle BürgerInnen angesprochen, aktiv mitzubestimmen, wie ihre Gemeinde in Zukunft aussehen sollte. Die Agenda 21 sollte durch selbst entwickelte, erlebbare Maßnahmen und Projekte Sache der BürgerInnen werden.

In der Gemeindeverwaltung wurde ein Agenda-Büro als Verbindungsstelle zwischen Gemeindeverwaltung, Agenda-Forum, den Arbeitskreisen und den BürgerInnen eingerichtet. Das Agenda-Forum besteht aus dem beratenden Umweltausschuss und allen interessierten Personen, besonders den Mitgliedern der Arbeitskreise. Hier werden sämtliche, die Agenda betreffenden Entscheidungen, gefällt. Deshalb gehören dem Agenda-Forum auch Gemeinderäte, VertreterInnen von Organisationen und Institutionen sowie interessierte BürgerInnen an. Die Idee dahinter war, den Gemeinderat in das Agenda-Forum einzubinden und so die Beschlussfassung der Projekte zu unterstützen. Das Agenda-Forum ist ein nicht-beschließender Ausschuss des Gemeinderates und tagt 1- bis 2mal jährlich.

Auf Grund des guten Rücklaufs aus der Befragungsaktion wurden die ersten Arbeitskreise ins Leben gerufen. Nach anderthalb Jahren lag dem Gemeinderat ein umfangreicher Maßnahmenkatalog zum Beschluss vor. Dieser Maßnahmenkatalog beinhaltete 12 Schwerpunktbereiche mit Themen wie Dorf- und Festplatz, kinderfreundliche Gemeinde, Erholdungsraum Weissacher Tal (Tourismusprojekt), Landwirtschaft oder Streuobstvermarktung.

Entsprechend den Säulen der Agenda 21 bestehen in Weissach drei Arbeitskreise:

  • Verkehr, Wirtschaft und Umwelt
  • Naturschutz und Landwirtschaft
  • Gesellschaft, Soziales und Kultur



Organisationsstruktur (Januar 1998 bis Dezember 2003)

Organisationsstruktur Weissach im Tal

Folgende Projekte wurden zu Beginn in Angriff genommen:

  • Biotopvernetzungsmaßnahmen (Bachpflegekonzept, Nisthilfen für verschiedene Vogelarten …)
  • Klimaschutz durch Energieeffizienz und Verkehrsmaßnahmen
  • „autofreier Sonntag“ – gemeinsam mit der Stadt Backnang, alle 2 Jahre
  • Flurputzete – jedes Jahr sammeln bis zu 100 Personen den Abfall aus der Landschaft
  • starke Regionalvermarktung („Weissacher Bauernmarkt“)
  • Streuobstwiesen („Weissacher Apfelsaft“)



Die Agenda-AkteurInnen geben regelmäßig Nachrichten über den aktuellen Stand des Agenda-Prozesses heraus und bringen das Thema Agenda mit etlichen Aktionen immer wieder ins Bewusstsein der BürgerInnen.

Regelmäßig verleiht der Gemeinderat auf Vorschlag aus der Bürgerschaft einen Umweltpreis für herausragende oder besondere Aktivitäten von Einzelpersonen oder Organisationen.

Im Jahr 2002 und 2004 belegte Weissach im Tal Platz 1 beim bundesweiten Wettbewerb „Zukunftsfähige Kommune“. Weissach im Tal zeigte bei den Indikatoren für Nachhaltigkeit die größten Stärken in den Bereichen „Soziale Gerechtigkeit“, „Umweltqualität und Ressourceneffizienz“ sowie „Wirtschaftliche Effizienz“.


2005 wurde als „Jahr des Kindes“ ausgerufen.

  • Durchführung der Wahl des Kindergemeinderates in den Grundschulen
  • Wahl des „Kinderbürgermeisters“ + erste Sitzungsleitung
  • Erarbeitung und Gestaltung des 1. Kinderortsplans der Gemeinde (=Orientierungshilfe, weist auf Gefahrenstellen im Straßenverkehr hin und zeigt wo verschiedene Treffpunkte, Freizeitmöglichkeiten, Spiel- und Bolzplätze, sowie Sportanlagen, sind)


Gemeinsam mit den Lehrkräften der Grundschulen, den ErzieherInnen der Kindergärten, den Eltern und Elternbeiräten, Vereinen und Sponsoren wurde zum Gelingen dieses Aktionsjahres beigetragen.
Kinderreporter berichteten regelmäßig in Wort und Bild auf einer speziellen Kinderjahrseite im Mitteilungsblatt über ihre Erlebnisse.

Hier können Sie in das Veranstaltungs-Programm und in den Kinder-Ortsplan Weissach im Tal Einblick nehmen.


2007 belegte Weissach im Tal beim Wettbewerb „Bundeshauptstadt im Naturschutz“ den 3. Platz der Teilnehmerklasse bis 10.000 EW. Die Kommunen waren aufgerufen ihr Engagement für den Naturschutz darzustellen.

Beispiele:
Im Bereich „Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung“ setzt Weissach im Tal das Projekt „Uni live in Weissach“ um. Durch Public Viewing werden im Sitzungssaal des Rathauses Vorlesungen zu Umweltthemen live aus einem Hörsaal der Tübinger Universität übertragen. Mit diesem Projekt werden vor allem ältere Mitmenschen angesprochen, die sich auf diese Weise fortbilden wollen.
Eine weitere Möglichkeit der Umweltbildung bietet ein Biotoplehrpfad, der über 17 km an 17 Standorten vorbeiführt und die wichtigsten Lebensräume für frei lebende Tiere und Pflanzen vorstellt. In der Kulturlandschaft um Weissach im Tal haben sich bis heute landschaftsprägende Lebensräume erhalten oder wurden neu geschaffen.
Eine herausragende Aufgabe der Umweltschutzarbeit ist die Erhaltung, Pflege und Neuschaffung von Biotopen mit dem Ziel, Natur zu stärken, den Wohn- und Erholungswert der Landschaft zu sichern und die Lebensräume zu einem flächendeckenden Netz zu verknüpfen.


Durchführung des Agenda-Prozesses

1998 war Weissach im Tal eine der ersten Gemeinden in Baden-Württemberg, die einen Agenda-Prozess startete. Das Landes-Agendabüro war noch nicht eingerichtet, man konnte auf keine Erfahrungswerte anderer Gemeinden zurückgreifen und musste sich einen eigenen Weg bahnen. Die Agenda-AkteurInnen sehen diesen Umstand heute positiv, da sie bei „Null“ beginnen mussten und „learning by doing“ im Vordergrund stand.

Zwischen 2004 und 2007 gingen die Agenda-Aktivitäten, nach Vorlage und Umsetzung des ersten Maßnahmenkatalogs, zurück. Ein neuer Reizpunkt musste gesetzt werden.
2004 wurde die Organisationsstruktur umgestaltet – es wurde ein Agenda-Stammtisch installiert. Die Gemeinderäte sind teilweise in den Arbeitsgruppen vertreten, aber als BürgerInnen beteiligt. Im Agenda-Forum stellen sie eine Schnittstelle zwischen Politik und BürgerInnen dar.

Folgende Personen sind im Agenda-Forum vertreten:

  • VertreterIn jeder Fraktion des Gemeinderates
  • BürgermeisterIn
  • Leitung Agendabüro; Verwaltung
  • 2 VertreterInnen des Stammtisches
  • interessierte BürgerInnen



Agenda-Stammtisch

Der Agenda-Stammtisch in Weissach im Tal ist ein „offener Treffpunkt“, der es ermöglicht, an bestehende Projekte anzuknüpfen oder neue zu initiieren.
Bei diesen Treffen findet auch eine Reflexion der bereits durchgeführten Projekte statt.

Die Stammtisch-Treffen finden in unregelmäßigen Abständen statt (ca. alle 2 bis 3 Monate) und ermöglichen den Austausch der einzelnen „aktiven“ Bereiche (Arbeits- und Projektgruppen). Die Themen sind nicht vorgegeben.

Aus Sicht der BürgerInnen stellt „der Stammtisch das Herzstück der Agenda“ dar.

VertreterInnen des Agenda-Stammtisches berichten regelmäßig im Agenda-Forum und im Gemeinderat über die laufenden und geplanten Projekte.

Organisationsstruktur seit Januar 2004

Organisationsstruktur seit Januar 2004


Am 29.05.2008 erhielt die Gemeinde den Anerkennungspreis des Landes Baden-Württemberg für 10 Jahre Lokale Agenda von Umweltministerin Tanja Gönner verliehen.
Der Geldpreis mit 1000 € wurde von den Agendaaktiven als Grundstock für eine „Bürgerstiftung Weissach im Tal“ gespendet.


Gemeinde-Entwicklungsplan Weissach im Tal 2020

Ende 2007 gab es den Startschuss für den Gemeinde-Entwicklungsplan Weissach 2020 als Fortführung der Agenda 21 und Förderung des bürgerschaftlichen Engagements, der u.a. auch den Ermüdungserscheinungen entgegen wirken sollte. Unter der Moderation von Prof. Rudolf Jourdan haben sich die AkteurInnen zu 7 Sitzungen versammelt. Ziel der bürgerschaftlichen Arbeit war ein langfristiges und von Nachhaltigkeit geprägtes Aktionsprogramm, mit dem die Weichen für eine zukunftsfähige Entwicklung der Gemeinde Weissach im Tal und ihrer Ortsteile gestellt wurden.

Nach einer Bestandsaufnahme der örtlichen Stärken und Schwächen sowie dem Ausloten von künftigen Chancen und Risiken wurden Handlungsfelder im Sinne von Aufgabenschwerpunkten definiert. Für jedes Handlungsfeld wurden strategische Ziele und Leitsätze sowie ein Maßnahmenpaket erarbeitet. Zu den einzelnen Maßnahmen wurden von den Projektbeteiligten Aussagen zur inhaltlichen und zeitlichen Priorität gemacht.
Die so gefundenen Lösungsvorschläge wurden in das Zukunftsbild „Gemeinde Weissach im Tal – unsere (realistische) Vision“ eingebaut und werden zur Zeit umgesetzt.

Nähere Informationen und Download Gemeindeentwicklungsplan Weissach im Tal

Entwicklung in den einzelnen Aufgabenbereichen

Sensibilisieren & Entscheiden
Gemeinderatsbeschluss im Jänner 1998
Anschließend folgte eine Informationsveranstaltung zum Thema „Lokale Agenda 21“, an der sich der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sowie der Gemeindetag Baden-Württemberg beteiligten.
Mit einem Informationsschreiben samt Fragebogen zu den gewünschten Schwerpunkten wurden alle BürgerInnen eingeladen aktiv mitzubestimmen.
Installation Agenda-Büro

Starten & Aufbauen
1999: Auftaktveranstaltung
Zeitnah erfolgten erste Treffen und Veranstaltungen der Arbeitskreise
Zu Beginn wurden Projekte in Angriff genommen, die einfach umgesetzt werden konnten.

Zukunftsprofil erarbeiten
Ins Zukunftsbild „Gemeinde Weissach im Tal – unsere (realistische) Vision“ wurden für jedes Handlungsfeld strategische Ziele und Leitsätze sowie ein Maßnahmenpaket erarbeitet.

Projekte umsetzen
2007: Gemeinde-Entwicklungsplan Weissach im Tal 2020 - Download
Auf Basis ermittelter Themen, die in Weissach im Tal als vorrangig gesehen werden, werden Jahresschwerpunkte gesetzt.

Kontinuität sicherstellen
Durch den Gemeinde-Entwicklungsplan wurde erneut ein Anstoß für die weitere BürgerInnen-Beteiligung im Rahmen der Lokalen Agenda 21 gegeben und dadurch wurden die Weichen für eine zukunftsfähige Entwicklung der Gemeinde gelegt.
Im Zuge der Bewerbung für den „European Energy Award“ (Verleihung im November 2009) musste die Gemeinde selbst eine neutrale und objektive Bewertung für den Bereich Energie/Klimaschutz/CO2-Minderung, durchführen (Selbst-Evaluierung).

Öffentlichkeitsarbeit
Das Mitteilungsblatt stellt eine Verknüpfung zwischen Information über die Aktivitäten im Bereich Agenda 21 und aktivem Zugehen auf die Bevölkerung dar.
Das Mitteilungsblatt wird in fast allen Haushalten der Gemeinde gelesen und beinhaltet ein breit gefächertes Spektrum an verschiedensten Informationen und Hinweisen.
Die Arbeitsgruppen verfassen selbständig Berichte und leiten diese an das Agenda-Büro (Hrn. Scharer) weiter. Dieses berichtet ergänzend regelmäßig allgemein oder zu speziellen Themen und Aktionen.


BürgerInnenbeteiligung

In Weissach im Tal geht der Trend zur themenmäßigen bzw. projektbezogenen Beteiligung.
Dieser Trend ist seit einiger Zeit auch allgemein festzustellen. Eher kurzzeitige Projektbeteiligungen denn langfristige Bindungen an Arbeitskreise oder Projektgruppen sind festzustellen.


Kooperationen mit anderen Städten und Gemeinden

Kreis- oder landesweite Veranstaltungen dienen dem Austausch mit anderen Gemeinden (z.B. Treffen der Agenda-Gruppen im Landratsamt).
Projekte mit Nachbargemeinden werden angestrebt, eine unmittelbare Kooperation fand bisher nicht statt.


Finanzierung und Unterstützung

Finanzierung:
Fördermittel für einzelne Projekte, ansonsten Finanzierung durch die Gemeinde

Unterstützung:
Unter der Moderation von Prof. Rudolf Jourdan wurde der Gemeinde-Entwicklungsplan erstellt.


Was bringt der Prozess?

  • Zufriedenheit der Bevölkerung – die BürgerInnen leben gerne in Weissach im Tal
  • hohe Identifikation der BürgerInnen mit Gemeinde
  • Rückmeldungen über positive Veränderungen
  • positive Atmosphäre, Gespräche mit Menschen
  • stolzes „Wir-Gefühl“
  • hohe Sensibilität den Themen gegenüber, nicht nur Getriebener sein
  • lebhafte, lebendige, aktive Gemeinde
  • Vernetzung / Austausch der Vereine
  • Verständnis füreinander (z.B. Landwirtschaft – Umwelt)
  • Aufeinander zugehen
  • Der vorrangige Nutzen wird durch die Gesprächskontakte und die Vernetzung dargestellt, dadurch steigt die Zusammengehörigkeit



Zusätzliche Informationen: Lokale Agenda 21 in Weissach im Tal



„Der Stammtisch ist das Herzstück unseres Agenda-Prozesses.“




Quellen:

  • ExpertInneninterviews März 2009
  • Tat-Orte.Infobrief 3/2002; Deutsche Umwelthilfe, Zukunftsfähige Kommune - Newsletter Nr. 2/2004;
  • Deutsche Umwelthilfe - Bundeshauptstadt im Naturschutz, Weissach im Tal: Dritter Platz der Teilnehmerklasse bis 10.000 Einwohner, 2007
  • Gemeindeentwicklungsplan Weissach im Tal 2020
  • stadtinterne Unterlagen aus Weissach im Tal
LA21/Beispielstaedte/Weissach_Tal/Weissach_Tal.txt (4485 views) · Zuletzt geändert: 2010/08/02 12:30 von mittermayr
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